Foto: Mädchen trägt kleineren Jungen Huckepack

​Das Wohl ihrer Kinder ist für alle Eltern in einer Trennung überragend wichtig. Das negative Bild des „Scheidungskindes“ ist in vielen Köpfen präsent. Manche Eltern schieben eine Trennung mit Kindern jahrelang auf, um ihren Kindern nicht zu schaden. In diesem Artikel gebe ich dir fundierte Tipps, wie Eltern in einer bewussten und friedlichen Trennung mit Kindern von Anfang das Richtige tun.

1. Eine Trennung ist immer schlimm für die Kinder. Oder?

Viele Menschen glauben das. Dahinter steckt ein familiäres Ideal: Eltern und Kind(er) leben in uneingeschränkter Zuneigung und liebendem Wohlwollen miteinander. Ein Idyll, das schon dann nicht mehr existiert, wenn nur ein Elternteil an Trennung denkt. Oft kippt die Stimmung in der Familie dann unbewusst um: Entweder streiten die Eltern offen und laut, weil sie immer unzufriedener werden. Oder sie streiten gar nicht, sondern entfernen sich innerlich immer mehr voneinander – „quiet quitting“, die „stille innere Kündigung“, gibt es nicht nur im Job! Unterschätze bei all dem nicht dein Kind. Es hat feine Antennen für die Atmosphäre in der Familie und spürt meistens sehr genau, wie nahe sich die Eltern noch stehen. Dabei gilt: Eine schlechte Partnerschaft der Eltern ist für ein Kind mindestens genauso belastend wie eine schlechte Trennung. Und nicht selten kommentieren vor allem ältere Kinder die Trennung ihrer Eltern mit einem „Endlich!“ Das Wichtigste ist, dass du bei einer Trennung mit Kindern das Richtige tust.

2. Gibt es „das beste Alter“ für eine Trennung mit Kindern?

Die Trennung der Eltern ist für fast alle Kinder ein enormes, lebensveränderndes Ereignis. Viele Eltern überlegen daher, ob sie eine unglückliche Partnerschaft aufrechterhalten sollen „bis die Kinder aus dem gröbsten heraus sind“ oder „nur noch ein paar Jahre“ oder „bis unser jüngstes Kind 18 ist“. Aber auch wenn Kinder älter werden, haben Eltern oft innere Hemmungen, den Trennungsschritt zu vollziehen. Sie wollen Ausbildung, Studium oder die eigene Familiengründung des Kindes abwarten, bevor sie eine Trennung angehen. Eine pauschale Lösung gibt es nicht; es kommt stark auf die Atmosphäre in der Familie an, was das Richtige ist. Überwiegt irgendwann das innere Unglücklichsein eines oder beider Elternteile, kann eine friedliche und bewusste Trennung mit Kindern in gegenseitigem Respekt die bessere Lösung für alle sein – unabhängig vom Alter des Kindes.

3. Wie kann eine bewusste Trennung Kindern und Eltern helfen?

Eine bewusste Trennung mit Kindern bedeutet, sich zunächst einmal mit sich selbst zu beschäftigen, um möglichst schnell innere Ruhe und vielleicht sogar Gelassenheit wiederzuerlangen – das kommt allen Beteiligten zugute. Es gilt, behutsam die Trennung und den eigenen Anteil daran aufzuarbeiten, bevor der Blick respektvoll und auf Augenhöhe zur Partnerin oder zum Partner geht. Die Wertschätzung dessen, was war und der Wille, auch in Zukunft mit Wohlwollen und gutem Willen zu handeln, sind wesentlich für den familiären Neustart auf getrennten Wegen. Damit bist du auf der sicheren Seite, auch in einer Trennung mit Kindern das Richtige zu tun. Ein besonderer Pluspunkt ist, wenn beide Partner sich auf gute Kommunikation einigen können. „Ich-Botschaften“ sind ein guter Anfang, gefolgt von aufrichtiger empathischer Kommunikation. Wir alle wollen gesehen, verstanden und angenommen werden, wie wir sind – das ist auch das A und O für eine gute Kommunikation in einer Trennung mit Kindern. Und kommt nicht nur den Eltern, sondern auch den Kindern zugute.

Foto: Buchcover Du darfs gehen von Dr. Annette Oschmann

MEIN NEUES BUCH

Wertvolle Entscheidungshilfen in kritischen Beziehungsphasen. 

Auch bei toxischen Beziehungen oder der Trennung von einem Narzissten

Guter Rat für Ihre Sorgen.

4. Das Richtige tun: Wann und wie sagst du es deinem Kind?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die zur Trennung entschlossene Eltern umtreibt, vor allem, wenn nur einer der Partner sich trennen will. Sobald einer oder beide wirklich zur Trennung entschlossen sind, solltest du es deinem Kind sagen – altersgerecht und individuell. Vermittle den Trennungsentschluss so sachlich und aufrichtig wie möglich, verbunden mit den klaren Aussagen: Ich/Wir werden dich immer lieben. Ich/Wir werden immer für dich da sein. Du bist nicht schuld. In solche Gespräche gehören nicht alle Details aus deiner Partnerschaft oder die Gründe für deine Trennung. Beherzige, dass dein Kind nicht dein Tröster, dein Vermittler oder gar dein Partnerersatz ist. Für deine Gefühle bist du selbst verantwortlich. Der bewusste individuelle Umgang hiermit ist die Basis für eine gute Trennung mit Kindern mit dem guten Gefühl, das Richtige zu tun.

5. Vor und in einer Trennung mit Kindern schwirrt der Kopf vor lauter Gedanken, die Gefühle fahren Achterbahn – Wie gelingt es dennoch, sein Kind gut zu unterstützen?

Es ist Aufgabe der erwachsenen Eltern sowohl gut für sich selbst zu sorgen als auch für ihre Kinder. Hierzu gehört, mit den eigenen Gedanken und Gefühlen möglichst schnell konstruktiv umzugehen und sich von beiden nicht zusetzen zu lassen. Das kannst du erreichen, indem du immer wieder den Kopf klärst, kurze Auszeiten nimmst, die wichtigsten Dinge notierst. Den meisten hilft ein Trennungsjournal, das immer griffbereit ist und in das spontane Gedanken und Überlegungen notiert werden können. Aber auch viele (schlechte) Gefühle begleiten oft eine Trennung. Hier ist der erste Schritt, sich dieser Gefühle bewusst zu werden, sie zu benennen. So gewinnst du Schritt für Schritt die Kontrolle über sein Leben zurück und kannst dann auch dein Kind wieder viel besser unterstützen – mit möglichst klarem Kopf und geklärtem Herzen.

6. Welche 3 Tipps kannst du schon vor einer Trennung mit Kindern sofort umsetzen?

Tipp 1: Sei präsent im Umgang mit deinem Kind. Wirklich präsent, ohne Smartphone, WhatsApp und Emails. Sei liebevoll aufmerksam, verbringe Zeit mit echten gemeinsamen Aktivitäten miteinander, aber auch Zeit, in der ihr einfach nur zusammen seid und jeder sich mit seinen Angelegenheiten beschäftigt.

Tipp 2: Nimm dein Kind ernst, ausnahmslos, mit seinen Wünschen, Anliegen und Bedürfnissen. Nicht wie ein gleichaltriger „Kumpel“, sondern wie ein erwachsener Elternteil, der entspannt sein Kind so sieht und annimmt, wie es ist.

Tipp 3: Sieh die Bedürfnisse deines Kindes und erfülle sie zeitnah, individuell und altersgerecht. Tröste, kuschle, lies vor. Stehe zur Verfügung für Gespräche über Schule, Freunde und Verein.

Alle drei Tipps stärken die Verbundenheit mit deinem Kind in jedem Alter, nicht nur vor oder in einer Trennung mit Kindern – mit dem sicheren Gefühl, das Richtige zu tun.

Bildnachweis: pixabay/Pexels