Die Erkenntnis, dass der Partner „Narzisst“ sein könnte, trifft die meisten sehr hart. Manche verschließen davor lange die Augen, halten ganz viel aus. Seelisch und körperlich. Meistens bleibt am Ende nur die Trennung. Aber das ist leichter gesagt, als getan.

Die Trennung von einem narzisstischen Partner oder einem narzisstischen Elternteil ist ein Riesen-Thema in meinem Coaching. Ganz oft kommen Menschen zu mir, die noch in einer Partnerschaft mit einem „Narzissten“ stecken. Sie suchen Wege, damit klar zu kommen oder die Beziehung zu beenden. Oder sie haben sich schon getrennt – oft ein gewaltiger Kraftakt – und versuchen jetzt, sich und ihr Leben neu zu sortieren. Ohne Manipulation, ohne Stress und ohne toxische Kommunikation.

Es ist schon ein großer Schritt, sich dabei Hilfe zu suchen. So fein sind die Fäden der Verstrickung und Manipulation in einer Partnerschaft mit einem „Narzissten“. Ein Außenstehender oder Freunde verstehen das oft nicht. Und dann haben die Betroffenen das Gefühl, sie müssten sich rechtfertigen oder Beweise liefern, dafür, dass mit ihrem Partner etwas nicht stimmt.

Narzisstischer Partner – schwieriger Partner

Im Coaching muss ich den Begriff „Narzisst“ gar nicht benutzen. Das ist ein Begriff aus der Psychologie, und ich sage statt dessen lieber „schwieriger Partner“. Mir reicht es auch, wenn meine Klientin, mein Klient mir sagt: „Dieser Mensch ist nicht gut für mich.“ oder „Ich möchte mit diesem Menschen nicht länger mein Leben teilen.“ Viele sind erstaunt, dass ich keine Beweise benötige. Aber niemand sagt so etwas leichtfertig. Und dann beginnt die eigentliche Arbeit im Coaching: meiner Klientin/meinem Klienten wieder auf die Beine zu helfen, innere Klarheit und emotionale Balance wieder herzustellen.
Also was tun?

Das kann doch nicht sein!

Die erste Reaktion ist oft „Das kann doch nicht sein!“ Das kann er doch nicht so meinen! Warum ich? Wo ist der tolle Typ geblieben, in den ich mich verliebt habe? Viele verschließen erst einmal die Augen. Lassen sich auf endlose Diskussion ein, die zu nichts führen. Lassen sich demütigen, beschimpfen und manipulieren.
Der erste Schritt: Doch, das kann sein! Akzeptiere das, was ist. Alles Andere ist Wunschdenken.

Er muss doch einsehen, was die Wahrheit ist!

Viele denken: „Was ich sage, ist doch die Wahrheit. Ich muss ihn doch überzeugen können.“
Vergiss es, das kannst du nicht. Wahrheit ist relativ, zumindest in der Diskussion mit einem schwierigen Menschen. Das nenne ich das Pippi-Langstrumpf-Prinzip: „Widewidewitt, ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Das Auto ist blau? Für deinen schwierigen Partner ist es rot. Er hat gestern gesagt, er geht mir dir Essen? Nein, niemals, da musst du etwas falsch verstanden haben. Vor drei Wochen wollte er mit dir in Urlaub fahren, du freust dich riesig… nein, du hast schon wieder etwas falsch verstanden. Heute so, morgen so.
Der nächste Schritt: Vergiss es, ihn überzeugen zu wollen. Du wirst nicht Recht bekommen, auch wenn es alles stimmt, was du sagst. Deine Wahrheit wird niemals seine sein. Tritt einen Schritt zurück und atme durch. Kämpfe keinen Kampf, der nicht zu gewinnen ist, hier ist noch nicht einmal ein Gleichstand möglich.

Versteht er mich wirklich nicht?

Nein, er versteht dich wirklich nicht. Und du wirst ihn auch niemals verstehen. Diese beiden Grundsätze sind der Ausgangspunkt für deine weitere persönliche Entwicklung.

Viele kommen ins Coaching und haben Bücher über „Narzissten“ gelesen: wie Narzissmus entsteht, welche Gründe er hat, die Umstände, die Kindheit und was sonst noch.

Spielt das für dich eine Rolle? Nein. Denn solange du noch versuchst, deinen schwierigen Partner zu verstehen, bist du gedanklich bei ihm und nicht bei dir. Aber da wollen wir im Coaching gemeinsam hin: zu dir selbst.

Also ist der nächste Schritt: Akzeptiere, dass er dich wirklich nicht verstehen wird.

Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Aber da waren doch gute Zeiten, er hat dich umschwärmt und erobert, du hast Liebe empfunden, Freude… könnte es nicht doch sein, dass das alles wiederkommt?

Bewahre die guten Erinnerungen in deinem Herzen. Wertschätze sie, keiner kann sie dir nehmen. Sehr wahrscheinlich war aber von Anfang an ein Gefälle in eurer Partnerschaft und sehr wahrscheinlich gibt es keinen Weg zurück zu den – meist kurzen – glücklichen Anfangszeiten eurer Partnerschaft.
Der nächste Schritt: Hoffnung ist gut, und Hoffnung gibt Kraft. Hoffnung ist eine hilfreiche Einstellung, pflege sie, vor allem, wenn sie begründet ist. Aber bitte nicht in dieser Situation, sie wird dein emotionales Leiden nur verlängern.

Dann bin ich ja allein…

Das verstehen die wenigsten Außenstehenden und Freunde: du beklagst dich oft über deinen Partner, beschreibst, wie wenig zufriedenstellend das alles ist, klagst über deine Partnerschaft… aber verlässt ihn nicht. Denn dann bist du ja allein.
Die Angst vor der Einsamkeit ist oft sehr groß und größer als alles Unbehagen in einer Partnerschaft. Das ist verständlich, wir Menschen sind soziale Wesen und Einsamkeit ist für die meisten nur schwer auszuhalten. Sicher, Du fühlst Dich anfangs allein. Aber muss das so bleiben? Meine Klient/inn/en im Coaching berichten hierzu oft Erstaunliches: so wie sie sich persönlich weiterentwickelt haben, sind ihnen Menschen begegnet, die sie achten und schätzen.
Der nächste Schritt: Lerne, dich selbst zu achten und zu schätzen. Dann wirst du Menschen treffen, die das auch tun. Das nennt man das Prinzip der Resonanz: Fang an, dich selbst so zu behandeln, wie du von anderen behandelt werden willst.

Der einzige Weg: ein starkes Ich entwickeln

Damit sind wir bei dem einzigen wirksamen Weg, sich aus der Partnerschaft mit einem schwierigen Menschen zu befreien und darüber hinweg zu kommen. Dieser Weg geht über dich selbst: auch du kannst ein stärkeres Ich entwickeln, auch du kannst dein Selbstwertgefühl stärken und steigern, auch du kannst gesunde Selbstliebe entwickeln und pflegen. Das ist der wirksamste Puffer gegen schwierige Menschen.

Deshalb ist der nächste und wichtigste Schritt in ein glücklicheres Leben: Übernimm Eigenverantwortung. Baue dein Selbstwertgefühl auf. Erkenne deine Bedürfnisse und erfülle sie. Verändere dich zu deinem Besten. Und suche dir Hilfe, wenn du dabei Unterstützung brauchst.

 

 

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