Foto: Mann liest ein Buch auf einer Bank in den Dünen, im Hintergrund das Meer

Neben männlichen Narzissten gibt es auch die weibliche Narzisstin. Darüber wird nur viel seltener gesprochen, und es scheint für Außenstehende etwas schwieriger zu sein, eine Narzisstin zu erkennen. Aus meiner Coachingerfahrung weiß ich, dass die Partner oder Partnerinnen von Narzisstinnen sich weniger öffnen und seltener Hilfe suchen.

Wenn du also vermutest, dass deine Partnerin eine Narzisstin sein könnte, stelle ich dir hier einige Hinweise zusammen, wie du eine Narzisstin erkennen kannst.

Die 9 wichtigsten Merkmale einer Narzisstin sind:

1. Die Narzisstin hält sich selbst für großartig und sucht ständig Anerkennung.

Das ist das Offensichtliche: Eine Narzisstin glaubt, sie sei die Beste und stehe über anderen Menschen. Hierfür braucht sie auch ständige Anerkennung für ihr Aussehen, ihre Leistungen, ihre Kleidung, Schmuck, Reisen, Auto, Haus/Wohnung.

Alles dreht sich um sie und ihre Bedürfnisse, und wenn du mal einen Abend mit ihr ausgegangen bist, hast du hinterher das Gefühl, nur sie hätte geredet und du hättest in diesem Gespräch gar nicht stattgefunden. Dabei kann sie eigentlich auch sehr charmant sein; jedenfalls ist sie es oft in der Anfangsphase einer Beziehung: zugeneigt, zuhörend, bewundernd. Da hat sie dir ein richtig gutes Gefühl gegeben, dass du ein toller Typ oder eine tolle Frau bist. Aber meistens ändert sich das im Laufe eurer Beziehung. Dann dreht sich irgendwann alles um sie und ihre Großartigkeit und du bist plötzlich fast nur noch dafür da, sie zu bewundern.

Weil Sie meint, über anderen Menschen zu stehen, glaubt sie auch oft, Andere würden sie um alles beneiden, ihr Aussehen, ihr Geld, ihr Heim. Umgekehrt können Andere ihren Ansprüchen nicht gerecht werden. Leider gilt das meistens auch für dich…

2. Sie ist oft launisch und du kannst es ihr nie recht machen.

Du erkennst eine Narzisstin auch daran, dass ihre Launen ständig wechseln: Friedliche, anhängliche Momente, dann Beleidigungen, wieder Freundlichsein, Beschimpfungen, Charme-Attacken, Tränenausbrüche. Manchmal kannst du ihren Stimmungsschwankungen gar nicht folgen, so schnell geht es. Aber genau das erwartet sie von dir. Dass du ihre unausgesprochenen Bedürfnisse nicht nur erahnst, sondern auch erfüllst. Ihr zuhörst, ihr hilfst, sie pausenlos unterstützt. Vielleicht fühlst du dich manchmal eher wie ihr/e Therapeut*in als wie ein/e Partner*in?

Aber selbst wenn du dir ein Bein ausreißt und alles erfüllst, was sie sich wünscht und braucht – es wird niemals genug sein. Du kannst es ihr einfach nicht recht machen. Auch wenn du alle deine Interessen und Hobbies aufgibst, um noch mehr und „besser“ für sie da zu sein, was du vielleicht schon getan hast?

3. Die Narzisstin ist aus ihrer Sicht ohne Fehler und hat immer Recht; schuld sind immer die Anderen.

Das ist das Grundprinzip des Narzissmus: Die Selbstverliebtheit und die eigene Fehlerlosigkeit. Daran erkennst du auch die Narzisstin: Sie macht aus ihrer Sicht einfach keine Fehler. Wenn etwas schief geht, sind es die Anderen schuld und – natürlich – ganz oft du. Wie es ein Klient einmal formulierte: „Meine Frau hat immer eine weiße Weste. Schuld? Nein, sie doch nicht!“

Dazu kommt oft eine starke Unbelehrbarkeit, die jede sachliche und konstruktive Diskussion im Keim erstickt. Du kannst sie nicht überzeugen, auch wenn du nachweisbar recht hast. Teilweise ist das völlig absurd, wie ein anderer Klient einmal erzählte: „Wir standen vor einem weißen Auto. Und sie hat einfach behauptet, es sei grün.“

4. Sie spricht oft verächtlich über andere Menschen.

Andere sind in den Augen der Narzisstin oft hochgradig fehlerhaft. Sie bewertet andere Menschen ständig und spricht über sie richtig verächtlich: „Meine Güte, ist der fies dick. Hast du das gesehen?“ „Sind dir die fettigen Haare bei Annegret aufgefallen? Igitt, ich würde mich schämen.“ „Beatrix wäscht zu selten die Kleidung ihrer Kinder. Bäh, das riecht man auch.“ Und sie stellt natürlich sicher, dass du ihre abschätzigen Kommentare auch immer schön mitkriegst.

Aus dieser Abwertung Anderer bezieht die Narzisstin ihren eigenen Selbstwert. Das „Schlecht-über-Andere-reden“ reicht als alleiniger Hinweis natürlich nicht aus, um eine Narzisstin zu erkennen. Aber oft kommt hier noch hinzu:

5. Sie lügt und spielt Andere gegeneinander aus.

Die Narzisstin lügt, wenn es für sie passt und scheint sich dessen manchmal gar nicht bewusst zu sein. Jedenfalls streitet sie alles ab, wenn sie beim Lügen ertappt wird und verdreht dir das Wort im Munde, getreu dem Motto „Widewidewitt, ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt.“ Manchmal weißt du selbst nicht mehr, was richtig und was falsch ist.

So erkennst du eine Narzisstin auch daran, dass sie Andere fortwährend manipuliert. Sie spielt sie gegeneinander aus: dich gegen deine Familie, ein Kind gegen ein Geschwisterkind, dich gegen deine Freunde. Das unbewusste Ziel ist dabei, „Allianzen“ zwischen ihr nahestehenden Menschen zu verhindern, mit denen sie vielleicht nicht umgehen könnte. Einzeln behält sie ihr Umfeld besser unter Kontrolle. Denn:

6. Die Narzisstin ist übergriffig und kontrollierend und will dich „nur für sich“.

Eine Narzisstin will dich „ganz für sich“. Manchmal sagt sie dir das auch und anfangs fühltest du dich davon vielleicht geschmeichelt. Aber oft führt gerade das zu deiner sozialen Isolation von deiner Familie und deinen Freunden. Es ist meist begleitet von extremem Misstrauen, und um dieses – unbegründete – Misstrauen zu zerstreuen, bleibst du ganz bei ihr und schränkst die Kontakte zu deiner Familie und deinen Freunden „freiwillig“ ein.

Eine Narzisstin erkennst du daran, dass das meistens noch nicht reicht. Sie ist übergriffig und mag es nicht, wenn andere Menschen ihre ureigenste Intimsphäre zu schützen versuchen. Zusätzlich kontrolliert sie dich durch WhatsApp, auf Social Media und durch zahllose Anrufe. Das klingt jetzt noch ganz harmlos, kann aber extrem sein: Ein Klient berichtete, dass ihn seine narzisstische Partnerin während seiner Weihnachtsfeier im Büro in 8 Minuten 42mal angerufen habe. Bitte sei wachsam: Das ist keine Liebe, sondern Terror.

7. Sie denkt immer an ihre Außenwirkung.

Vielleicht fällt dir irgendwann auf, dass deine narzisstische Partnerin selten wirklich authentisch, wirklich „echt“ ist. Sie spielt oft eine Rolle, baut eine Schweinwelt auf und hat stark perfektionistische Züge.

Eine Narzisstin erkennst du auch daran: Sie denkt immer an ihre Außenwirkung und will oft Eindruck machen. „Was die Leute sagen, …“ – das ist in allen denkbaren sozialen Kontakten wichtig: die Nachbarn, die Arbeitskolleg*innen, die Bekannten und Freunde, vor allem aber vermeintlich „höherrangige“ oder „wohlhabendere“ Menschen. Und das bezieht sich nicht nur auf sie selbst, sondern auch:

8. Sie benutzt eure Kinder für ihre Zwecke.

Ihre Kinder sollen gehorchen und in erster Linie „funktionieren“. Die Außenwirkung ist auch bei euren Kindern extrem wichtig, auch sie sollen Andere beeindrucken: die Narzisstin gibt gerne mit ihren Kindern an.

Das hat oft zur Folge, dass Kinder in ihrer Identität nicht gesehen werden und kaum individuelle Entwicklungschancen bekommen: Sie sind so etwas wie der verlängerte Arm des eigentlich schwachen Selbstwertgefühls der Narzisstin.

Die Narzisstin hat wenig oder keine Empathie und kann sich schlecht in ihre Kinder einfühlen. Wenn diese also ihren Repräsentationszwecken nicht genügen, kann die Narzisstin sehr streng, übellaunig und manipulativ sein. „Was sollen denn die Leute denken“, ist ihr Leitmotiv – auch in der Erziehung ihrer Kinder. Empathischer Trost ist für sie eher ein Fremdwort; sie braucht stilles, formales Funktionieren auch bei ihren Kindern. Und dabei gilt:

9. Liebe gibt es nur gegen Leistung.

Eine Narzisstin erkennst du auch daran, dass es so etwas wie Liebe für Andere nur gegen Leistung gibt. Das spürst du selbst und vielleicht siehst du es auch bei deinen Kindern: Oft sitzt die Narzisstin wie eine Spinne im Netz und lässt um sie herum die Puppen tanzen. Alle Anderen reißen sich ein Bein aus, leisten, tun und machen, um es der Narzisstin recht zu machen und zu gefallen: in Schule, Sport oder Job.

Ist die Leistung aus ihrer Sicht in Ordnung, bekommst du eine Zeit lang ihr Wohlwollen. Aber keine Sorge: das wird sich schnell wieder ändern, denn eine Narzisstin ist selten zufrieden. Dann entwickelt sie neue unausgesprochene Forderungen und Erwartungen. Sowohl du als auch deine Kinder können so irgendwann das Gefühl bekommen, niemals gut genug zu sein.

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