Foto; Mann und Frau vor Sonnenuntergang

Du willst dich von einem Narzissten trennen, dich von einem Narzissten lösen? Du weißt aber nicht, wie du das angehen sollst? Oder du hast Sorge vor der Eskalation, die bei einer Trennung von einem Narzissten womöglich droht? In diesem Artikel bekommst du Tipps, wie du Schritt für Schritt vorgehen kannst.

1. Deine Erkenntnis: Dein Partner ist Narzisst

Wahrscheinlich hattest du schon länger ein Störgefühl in deiner Partnerschaft. Vielleicht warst du anfangs einfach verzweifelt, weil angeblich du immer Schuld an allem bist. Und Du hast dir eingeredet: „Einfach nur durchhalten“ und hast die Ursache für alles, was nicht stimmte, immer bei dir gesucht? Bis dir irgendwann mal Zweifel kamen: so schlimm kannst du doch gar nicht sein! Und vielleicht konntest du dir viele der Verhaltensweisen deines Partners einfach nicht erklären, hast viel im Internet recherchiert, um das alles zu verstehen.

Und jetzt ist da deine Erkenntnis: „Mein Partner ist Narzisst“.

Die meisten Betroffenen versuchen dann zuerst zu verstehen, warum und wieso er Narzisst ist, woher das kommt und ob sich das ändern kann. Muss er vielleicht „nur“ eine Therapie machen und alles ist gut?

In den allermeisten Fällen sind solche Überlegungen müßig. Bleibe bei deiner Erkenntnis: er ist Narzisst. Du wirst ihn nicht verstehen und umgekehrt wird auch er dich nicht verstehen. Verheddere dich nicht im „Verstehen Wollen“. Akzeptiere die Situation, wie sie ist. Und überlege dann – allein oder begleitet – , wie es weitergehen soll.

2. Deine Entscheidung: Gehen oder bleiben?

Viele haben nach der oft bitteren Erkenntnis, dass ihr Partner Narzisst ist, ganz viel Hoffnung, dass es doch „irgendwie“ weitergehen kann. Weil sie innerlich so sehr an ihm hängen, dass sie sich ein Leben ohne ihn nicht vorstellen können. Sie setzen alle Hebel in Bewegung, damit er bleibt oder zurückkommt. Weil sie einfach nicht von ihm loskommen, obwohl die meisten durchaus spüren, dass sich das alles nicht gut anfühlt.

Ob du gehst oder bleibst, ist deine Entscheidung. Du solltest aber wissen, dass das, was du durchmachst, auch als „Co-Abhängigkeit“ bezeichnet wird: da ist ein unerklärliches inneres Sehnen nach dem narzisstischen Partner. Wenn du versuchst zu gehen oder er dich verlässt, bist du irgendwie „auf Entzug“. Der Kopf sagt NEIN, aber Körper und Herz schreien JA! Diese innere Sehnsucht ist kaum auszuhalten, will sofort gestillt werden.

Es gibt Wege, mit dieser Form Co-Abhängigkeit umzugehen, je nach dem, wie stark sie ausgeprägt ist. Du kannst dich von einem Narzissten trennen, auch wenn du das jetzt noch nicht glauben kannst! Dafür gibt es in einem speziellen Trennungscoaching Fragen und Übungen, die über diese Phase hinweghelfen können. Aber es kann auch sein, dass eine Psychotherapie für dich genau das Richtige wäre. Eine verantwortungsvolle Coach weiß, welche Möglichkeiten es gibt und wird hier Klartext sprechen, für die beste Lösung zu deinem Wohl.

3. Dein Escape Plan – wie kommst du da raus?

Wenn du wirklich zum Gehen entschlossen bist, brauchst du einen Escape Plan – deinen ganz persönlichen „Fluchtplan“. Du solltest dir vorher überlegen, wo und wie du nach der Trennung leben willst. In welcher Wohnung, in welchem Haus, in welcher Stadt? Wenn du Kinder hast, musst du besonders ausgewogen überlegen: was ist gut für dich, aber auch für sie? Was ist mit deinem Job?

Dann solltest du überlegen, dir deine „Fluchthelfer“ zu organisieren. Das können besonders gute Freundinnen und Freunde sein, Familienmitglieder, Menschen in deiner Gemeinde. Das kann eine Rechtsanwältin für Familienrecht sein, die mit hoher Wahrscheinlichkeit deine Situation in ihrer täglichen Praxis bereits erlebt hat. Das kann eine spezialisierte und erfahrene Coach sein, die dir zur Seite steht und dich und deine innere Ausrichtung, deine Emotionen, Wünsche, Zweifel und Bedürfnisse auffängt. Die aber auch für viele praktische Fragen Lösungsvorschläge hat. So bist du mit deiner Situation nicht allein. Je klarer du vor der Trennung von einem Narzissten deinen Weg aus der Beziehung planst, desto besser wird er dir gelingen.

4. Deinen Entschluss umsetzen

Dann ist es soweit: du willst deinen Entschluss umsetzen, dich von einem Narzissten zu trennen. Ja, dein Gefühl ist richtig: das erfordert viel Mut, viel Energie und eine große Entschlossenheit. Denn sobald du von Trennung sprichst oder sie aktiv angehst, wirst du sehr wahrscheinlich Gegenwind bekommen. Sei gewappnet. Je besser du dich innerlich vorbereitet hast, um so besser wirst du durch diese Phase kommen. Halte dein Ziel fest im Blick.

Dennoch kann es sein, dass du ins Schlingern kommst. Dann sei freundlich zu dir selbst. Bleibe so gut es geht bei dir und gehe weiter deinen Weg, so unbeirrt wie möglich. Denn du hast vorher alles sorgfältig und ausgewogen vorbereitet, du hast Für und Wider abgewogen, du weißt, dass du das für dich Richtige tust. Hole dir Hilfe, wenn du strauchelst.

5. Die Trennung von einem Narzissten durchhalten

Wenn du es dann tatsächlich umgesetzt hast, kommt noch eine weitere schwierige – und womöglich lange – Phase: das Durchhalten. Jetzt kann es gut sein, dass verstärkt rechtliche Themen aufpoppen. Innerlich können wieder Zweifel kommen, Ungewissheiten, Sorgen, Sehnsucht, nach dem, was einmal war.

Jetzt ist zweierlei wichtig: zum einen solltest du für dich innerlich geklärt haben, wofür du das alles tust. Ein klares Ziel vor Augen hilft dir in dieser Zeit weiter. Zum anderen ist es gut, wenn du jetzt ein Netz an Unterstützung hast, das dich trägt und auffängt: gute Freund*innen, erfahrene Fachleute, Menschen, die bedingungslos an deiner Seite stehen.

Wie schnell diese Phase vorüber ist, ist ungewiss. Wie unangenehm sie wird, leider auch. Aber du solltest wissen: Du bist nicht allein. Auch für dich wird es weitergehen. Und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass du irgendwann sagst: Wie gut, dass ich das damals durchgehalten habe!

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Bildnachweis: unsplash/Eric Ward